Wochenrück-Klick IX: Einseitig + einseitig = zweiseitig?

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 KW 19 (1.5.-11.5.2015)

Was ist die vergangenen Wochen im Netz gelaufen? Welche Hashtags waren relevant, welche Netzaktivitäten der Kandidaten haben uns überrascht? In unserem Rück-Klick informieren wir Sie über die wichtigsten Ereignisse im Netz-Wahlkampf. Sie haben Anmerkungen, Ergänzungen? Bitte hinterlassen Sie diese in der Kommentarspalte oder senden uns eine Nachricht auf der Über uns-Seite

Hier sind unsere wichtigsten Netz-Punkte der KW 19 (1.5.-11.5.2015):

 

KandidatenKlick:

    • Okay, langsam kommen wir hier in Schwierigkeiten: Wie berichtet man – gerade angesichts der großen Zahl von 18 Bewerbern (jaja, richtig gelesen – nicht mehr 17!) – halbwegs ausgewogen über alle Kandidaten bzw. Bewerber? Zumal, das ist offensichtlich, einige dabei sind, die die Hürde von 240 Unterstützerunterschriften nicht geschafft haben? Der 18. Bewerber heißt übrigens Stefan Franze und ist der PDF-Liste der Landeshauptstadt zu entnehmen (hier). Wir sparen uns jetzt einfach mal, ihn zu googlen, denn die Unterschriftensammlung ging ja nun gestern (11.5.) um 18 Uhr zu Ende.
      Sprich: Wer bis gestern nicht die 240 Unterstützerunterschriften zusammen bekommen (geschafft haben das laut eigenen Angaben bislang die Kandidaten Festerling, Hilbert, Liqueur, Stange) bzw. eine Partei im Nacken hat (das trifft bekanntlich auf Ulbig und Vogel zu), kann seine Wahlkampfaktivitäten auch gleich wieder einstellen. Ob jetzt aber die genannten sechs oder mehr Kandidaten auf dem Wahlzettel erscheinen, steht aber erst nach der finalen Prüfung durch den Gemeindewahlausschuss fest – die erfolgt am 13.5. um 14 Uhr in einer öffentlichen Sitzung (die Terminankündigung ist auf dresden.de nachzulesen)
    • Wobei das „Strecken“ nach Unterschriften kurz vorm Finale noch seltsame Blüten trieb: So hatte Kandidat Samuel Fink angekündigt sich auszuziehen, sollte er die 240er Marke nehmen. Wörtlich schrieb er bei Facebook: „Sobald Nummer 240 aus dem Bürgeramt kommt, werde ich splitterfasernackt – nur mit einer rosafarbenen Pudelmütze bekleidet, das Wasserspiel am Postplatz durchschreiten.“ Hier nachzulesen.  Auf das Mützenfoto warten wir allerdings noch…? Immerhin führte es zu einer Erwähnung in unserem absolut unabhängigen und neutralem Blog!

 

Bildschirmfoto 2015-05-08 um 05.35.41

  • Andere schaffen das mit weniger riskanten Versprechungen: Bewerber Jack Hubald etwa hat seine eigenes für den Wahlkampf eingerichtete FB-Seite bereits am 8.5. umbenannt und alle Inhalte gelöscht. Jetzt trägt die Seite den Titel: „Was für eine neu arme Welt“. Das, ähm, Entschuldigung für die Formulierung, wirkt ein wenig größenwahnsinnig: Erst war es nur Dresden, jetzt die ganze Welt? (Achtung, Ironie!). Gar nicht mehr im Netz zu finden, ist die Facebook-Fanpage von Ronny Winkler – wobei uns auch hier keine Kenntnisse vorliegen, wie das nun zu interpretieren ist. Wir berichten das also bewusst so völlig wertfrei und ohne Tendenz! Wirklich!
  • Gelöschte und umbenannte Facebook-Seiten… So richtig sind das ja alles noch nicht die Entwicklungen, wie wir sie hier im Blog mit unserem selbstgewähltem Schwerpunkt „Social Media im Wahlkampf“ erwartet hatten. Dafür haben wir hier noch ein echtes Schmuckstück (mit großem Dank an die Finderin!): Ein Looking-at-things-Tumblr! Jawollja! Getroffen hat es CDU-Kandidat Markus Ulbig. Nein, wir haben das nicht angelegt (wirklich nicht!). Das Tumblr ist offenbar schon zwei Jahre alt und trotzdem mit aktuellen Fotos versehen – stellt sich gleich mal die spannende Frage: Wer macht sowas?! Die lässt sich angesichts der „Gefällt mir“-Klicker beim „Dresdner Wahlbeobachter“, einer ziemlich ungepflegten Facebook-Gemeinschaftsseite, wesentlich leichter beantworten: Hier ist offenbar den Ulbig-Fanboys ziemlich frühzeitig die Puste ausgegangen…
  • Was es sonst noch zu melden gibt? Sehr viel. Zu viel! Hier nur kurz erwähnt: Der AfD-Kandidat Stefan Vogel hat jetzt einen eigenen Werbespot.
    Erinnert Sie das an was? Auch Kandidat Dirk Hilbert hat jetzt ein Wahlkampfvideo. Für ein vernünftiges Mikrofon hat es aber offenbar nicht gereicht… Für die übrigen Kandidaten klicken Sie bitte selbst – die jeweiligen Internetangebote und Facebookprofile und Twitteraccounts sind in unserer Kandidatenliste verlinkt!

 

 

SocialKlick:

  • Sollten Sie sich die Mühe machen, die Kandidatenprofile bei FB und Co zu verfolgen, könnte Ihnen das gleiche aufgefallen sein wie uns: Es gibt kritische Kommentare. Nein, klar, irgendwie angesichts des Kanals Facebook war das ja zu erwarten – es stellt trotzdem eine Veränderung im Vergleich zu vorherigen OB-Wahlkämpfen dar und ist deswegen erwähnenswert. Beispiele gefällig? OB-Kandidat Hilbert etwa hat Mitbewerberin Stange mit einem Statement „Chefinnen-Sache‘ wird zur Wahlkampf-Hysterie!“ direkt angegriffen (man merkt: Jetzt ist heiße Wahlkampfzeit). Hintergrund: Stanges Ankündigung, als erste (!) Amtshandlung das Bildungsbüro wieder in die Verantwortung des Oberbürgermeisterbüros zu holen (hier nachzulesen). Prompt folgt, was passieren muss: Kritische Kommentare von dritten auf beiden Seiten, die gleich mal noch eine Antwort erfordern (bitte in den jeweiligen Postings selbst nachlesen, sonst heißt es noch, wir werten). Schön auch, wenn bei Frau Stange gleich der noch amtierende und für Bildung zuständige Bürgermeister mit in die Diskussion einsteigt (der hat auch nix mehr zu verlieren, oder?). Und auch der hier ist Social-Media in Reinkultur: MC Tanne alias OB-Bewerber Tanneberger musste sich gleich mal komplett erklären:
    Bildschirmfoto 2015-05-12 um 14.54.37

    Screenshot von der Facebookseite von Tobias Tanneberger

  • Was meinen Sie: Kann man als Wähler aus solchen Dialogen den Eindruck vom jeweiligen Kandidaten verfestigen? Oder ist es aus Kandidatensicht Zeitverschwendung? Oder anders gefragt: Finden Sie diese Antwort von Frau Stange auf die Frage, warum sie nicht Ministerin bleiben will, überzeugend?  Immerhin macht es schwer den Eindruck, als sei die Antwort persönlich von Frau Stange verfasst – was aus unserer Sicht schon mal wieder sehr positiv zu bewerten wäre (Achtung, ihr Dummies, Wertung!)! Andererseits… Was würden Sie an der Stelle von Markus Ulbig (s Team) auf so einen Aluhut-Kommentar antworten?  Wir freuen uns immer über Meinungsäußerungen in den Kommentaren!
  • Zum Abschluss für heute sei da noch ein Trend erwähnt, der uns hier wirklich beschäftigt („Trend“ – ist das nicht überbewertet? Und ist das damit schon öffentliches Interesse? Oder nicht? Wir sind gerade ganz verunsichert… 😉 ): Es geht um die Arbeit der, pssst, Lügenpresse. So ärgert sich AfD-Kandidat Stefan Vogel mehr als einmal bei Facebook über die Arbeit der Sächsischen Zeitung, die offenbar nur drei Kandidaten kennt:  Das gleiche Lamento ist auch hier zu lesen, gleich noch verbunden mit deutlicher Kritik an Plakate-Abreißern (was im übrigen tatsächlich nicht in Ordnung ist!): Ob ihm die beleidigte Leberwurstnummer wirklich hilft – wir sind da ja kritisch…
    Screenshot von der Facebookseite von Stefan Vogel

    Screenshot von der Facebookseite von Stefan Vogel

     

  • Dass es vor allem im – sagen wir: – sehr konservativen (Achtung, Wertung!) Lager einige Probleme mit „den Medien“ (immer diese Verallgemeinerungen) gibt, haben aber wir auch schon zu spüren bekommen. So kommentiert das anonyme Profil „Solidarität mit Tatjana Festerling“ unseren Hinweis auf zwei für Dresden sehr relevante Blogger bei Facebook wie folgt:
    Bildschirmfoto 2015-05-12 um 14.56.30

    Screenshot von der Facebookseite von Dresdenwählt

     

  • Da fragen wir uns schon ein wenig: Was liegt da eigentlich für ein Medienbild zu Grunde? In so einem Lesehinweis von uns schon Manipulation der Leserschaft zu vermuten – für wie dumm haltet ihr die Leser eigentlich? Deswegen kann sich doch trotzdem jeder seine Meinung bilden – oder nicht? Die Krönung ist allerdings, die unterstellte Einseitigkeit mit einer absolut einseitigen und völlig schöngefärbten Kommentierung ergänzen zu wollen – der verlinkte Beitrag geht ja nun mal gar nicht!
  • Liebe Festerlinge, Willkommen in der Wirklichkeit: Es gibt im Medienbusiness keine Objektivität – geschweige denn Neutralität. Es gibt nur die zwei unterschiedlichen Positionen: Die eine Seite, die die Leser für intelligent und unabhängig genug hält, sich selbst eine Meinung zu bilden – egal wie man berichtet und gewichtet. Und die andere Seite, die die Mediennutzer für gemeinhin dummes Konsumvieh hält. Wir wissen also jetzt, wo ihr steht… (Achtung, für Dummies der Hinweis: in der Herleitung ist eine Wertung enthalten!).Aber grämt euch nicht, ihr Festerlinge, es gibt noch wesentlich schlimmere Medien-Basher als euch: Aus unserem Verständnis her aber verbietet es sich, ausführlich von unserem Telefonat mit einem Bewerber zu berichten, der mit öffentlicher Kritik offensichtlich ein Problem hat. Manche Leute muss man auch vor sich selbst schützen – auch das gehört zum Beruf des Journalisten!Wobei, jetzt haben wir das Thema angerissen, jetzt wollen wir es auch wissen – und kündigen hier mal an, demnächst die Frage genauer zu beleuchten, wie eigentlich die Medien mit der Bewerberschwemme umgehen!
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