War was? Unser Fazit zur #obwdd

Von 0 Permalink 6

Und, erinnern Sie sich noch? An uns? Und den Wahlkampf zur Oberbürgermeisterwahl in Dresden 2015?

Es ist inzwischen über sechs Wochen her, dass Dresden einen neuen Oberbürgermeister gewählt hat. Inzwischen sind die Wahl von Dirk Hilbert für gültig erklärt und sämtliche Widersprüche abgelehnt worden (vgl. DNN-Online vom 10.7.2015: „Gemeindewahlausschuss bestätigt Hilberts Sieg ganz offiziell“). Vorraussichtlich am 3.9. wird Hilbert dann im Stadtrat bestätigt und in der Folge das Amt offiziell antreten.

###

Was hier noch fehlt: Ein Abschluss für dieses Blog, das wir ja eigens zur #obwdd ins Leben gerufen hatten. Es liegt nahe, sich dafür zunächst den Online-Wahlkampf in Erinnerung zu rufen – und auch dafür ein kleines Fazit zu ziehen.

Was uns aufgefallen ist:

  • Zum Online-Wahlkampf zur Oberbürgermeisterwahl 2015 in Dresden könnte man zusammenfassend sagen: Ja, stimmt, da war was. Websites und Facebook-Fanpages – größtenteils sogar durch die Kandidaten selbst gepflegt – waren im Einsatz. Aber originelle, eigens für die Social-Media-Kanäle entwickelte oder gar revolutionäre Ideen? Puh… Also uns ist da nichts in Auge gestochen.
  • Wobei: Ein paar Ansätze gab es ja doch. Stefan Vogel von der AfD zum Beispiel hatte sich mit seinem Zukunftslexikon an einem Beteiligungstool versucht. Das besteht immer noch und weist immerhin 25 (!) Einträge auf (bei über 430.000 Wahlberechtigten…). Der Gedanke, so zu mobilisieren, mag angesichts der Möglichkeiten des Social Web charmant sein – die Geschichte aber ohne eine schon bestehende Community bzw. Fanbase und bei dem eher älteren Wählerklientel der AfD zu starten, muss man mindestens als übermutig betrachten.
  • Sehr stark auf „virale Effekte“ gesetzt haben die Die-Partei-Kandidatin Lara Liqueur und ihr Gefolge. Das brachte zumindest in Ansätzen etwas Schwung in die Bude – von einem rauschenden Erfolg zu sprechen, wäre aber wohl übertrieben. Manch einer in der Stadt meinte, Die Partei habe auch schon mal lustiger agiert. Besonders die reale Bierduschen- und Mopo-Pinkel-Aktion am ersten Wahlsonntag bleiben eher negativ in Erinnerung.
    Auch die Unterschriftenbewerber Tanneberger und Fink (Kandidaten sind sie dann ja mangels ausreichender Unterschriften nicht geworden) haben durch Videoaufrufe oder sogar öffentliche OpenSpaces versucht, eigene Wähler zu mobilisieren – allein: gebracht hat es nichts.
  • Ah so, und dann war da ja auch noch die Pegida-Kandidatin Tatjana Festerling: Angesichts von 150.000 Facebook-Fans für die Pegida-Seite hätte man sagen können, da ist ein gewisses Potential vorhanden. Und in der Tat: Fast 10 % der über 430.000 Wahlberechtigten machten bei Festerling im ersten Wahlgang ihr Kreuz – für eine Neueinsteigerin ist das bemerkenswert (je nachdem, wie man das interpretiert). Zumal sich die Wahlkampf-Aktivitäten bis auf montägliche Versammlungen in der Altstadt ziemlich auf Facebook und Co beschränkten, oder?
  • Schließlich: Eine konkrete Bilanz in Zahlen ist für den Online-Wahlkampf zur #obwdd faktisch nicht möglich. Es lässt sich also nicht sagen: Weil Kandidat XY diese und jene Aktivität an den Tag gelegt hat, haben ihn Z Leute mehr gewählt. Aber es lässt sich feststellen: Die überwiegende Zahl der Kandidaten hat Facebook und Co. genutzt. Und eine eigene Webseite gehabt. (Die Antworten der Wahlkampfteams auf unsere Frage nach Zugriffszahlen stehen noch aus…).

Lässt eigentlich nur das Fazit zu: Die Wahl zum Oberbürgermeister Dresden 2015 wurde nicht im Netz entschieden. Social Media hatte aus unserer Sicht sogar erstaunlich wenig Einfluss.

Sie wollen Anregungen? Schauen Sie sich doch mal das Video des unabhängigen Kandidaten Wyatt Scott an, der ins Parlament in Canada einziehen möchte. Das Video hat schon über 1 Mio. Zugriffe weltweit!

Wer es nicht ganz so wild mag, findet jede Menge Anregungen im Netz. Zum Beispiel beim Hamburger Wahlbeobachter, etwa mit dieser Geschichte: „Social Media im Bürgermeisterwahlkampf – Deal-Breaker oder Game-Changer?

###

Was uns zur Arbeit der Medien zur #obwdd aufgefallen ist:

  • Zunächst zusammenfassend, was wir nicht bestätigen können: Dass die lokalen Medien nicht genug oder zu wenig berichtet hätten. Im Gegenteil.
  • Ein dickes fettes Lob geht von uns für inhaltlich starke Arbeit an die „Sächsischen Zeitung“. Auch wenn mancher Kandidat bzw. Bewerber das sicherlich anders sieht (Stichwort Hostile-Media-Effekt) und die Gerüchteküche flüstert, dass eine im gleichen Unternehmen beheimatete Agentur am Wahlkampf von Dirk Hilbert ordentlich mitgemischt habe: Die Redaktion hat umfassend berichtet; wer politisch interessiert ist, konnte sich allein über die Lektüre der Zeitung einen guten Eindruck verschaffen. Aus unserer Sicht war die Berichterstattung auch nicht tendenziös, wobei man natürlich wild diskutieren kann, ob die Fokussierung auf die Kandidaten mit den besten Chancen bzw. von den bekannten Lagern bzw. Parteien (also Hilbert, Stange, Ulbig) so gut ist. Andererseits: Eine Zeitung hat nur begrenzten Platz – und ist frei in ihren redaktionellen Entscheidungen.
  • Ebenfalls inhaltlich sehr stark in unserer Wahrnehmung: Radio Dresden. Großartige Arbeit, nicht so fokussiert auf die Favoriten wie die „Sächsische Zeitung“ und sogar mit Video-Interviews – aus unserer Sicht ist die Redaktion dort voll und ganz dem Anspruch an eine Lokalredaktion gerecht geworden.
  • Zweifelsohne Maßstäbe in der Online-Berichterstattung zum Wahlkampf gesetzt hat Mopo24.de: Die Videos vom 1. Wahlabend waren gut gemacht und dem Verbreitungsweg Online bzw. Social Media angemessen. Die manchmal etwas flapsige Art hatte dazu etwas sehr Unterhaltsames – dagegen sah der „Platzhirsch im Bereich Bewegtbild“ Dresden Fernsehen richtig alt aus (wobei das ja auch wieder zu der Kern-Nutzergruppe passt). Auch der Einsatz des Tickers von Mopo24 am Wahltag zeigt: Man hat das Medium verstanden und die technischen und inhaltlichen Möglichkeiten souverän genutzt (ja, wir sind ein klein wenig neidisch).
  • Gute Arbeit haben auch „DNN“ und „BILD“ (das Springer-Blatt allerdings mit einer gefühlten Tendenz ins konservative Lager) geliefert, teilweise auch mit exklusiven News und guten Überblicken über die Ziele der Kandidaten.
  • „Neu“ im Boot und ebenfalls eine echte Bereicherung: Der „Angreifer“ Menschen in Dresden. Mit einem eigenen Spezial haben die Online-Magazinmacher einen starken Job gemacht, vor allem, wenn man weiß, dass das im Grunde eine One-Man-Show ist. Die Interviews in Kooperation mit dem Neustadtgeflüster waren eine echte Bereicherung für die städtische Medienlandschaft.

###

Fehlt noch wer? Ah, ja, richtig, wir waren ja auch noch da! Die Bewertung unserer Arbeit überlassen wir allerdings  Ihnen, werte Leser – gern öffentlich, gern unten in den Kommentaren, gern heftig (aber Vorsicht, wir reagieren manchmal 😉 ).

Was wir jetzt schon sagen können: Uns hat es riesigen Spaß gemacht. Trotzdem oder gerade deswegen endet die Arbeit an diesem Blog hier – für uns war von Anfang an klar, dass es ein temporär begrenztes Projekt ist.

Was wir aber jetzt auch schon wissen: Unser nächstes temporäres Blog-Projekt kommt. Schon sehr bald.

6
0 Comments