#obwdd: “Wie entscheiden Sie, wie viel Sie über welchen Kandidaten berichten?” – Teil 2

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Wie wir bereits angekündigt haben, folgt nun der zweite Teil unserer Umfrage Wie entscheiden Sie, wie viel Sie über welchen Kandidaten berichten?

Wir haben bereits Dirk Birgel von den Dresdner Neuesten Nachrichten, Anja Herrmann von Dresden Fernsehen, Andreas Szabo, Redaktionsleiter von Radio Dresden und Uwe Vetterick, den Chefredakteur der Sächssichen Zeitung gefragt, nach welchen Kriterien sie die Berichterstattung zur OB-Wahl gewichten. Die Antworten finden Sie hier

Unser Fragenkatalog ging außerdem an die Dresdner Morgenpost, Bild Dresden und den MDR. Geantwortet hat schließlich Uta Deckow, Politikchefin des MDR-Landesfunkhauses für die Berichterstattung im Sachsenspiegel, bei MDR 1 Radio Sachsen sowie online. Sollten wir von den anderen zwei Befragten noch etwas hören, tragen wir die Antworten selbstverständlich nach.

Uta Deckow, Politik-Chefin des MDR-Landesfunkhauses

1. Wie entscheiden Sie, wie viel Sie über welchen Kandidaten berichten?

Wie immer im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt auch bei dieser Wahl das Prinzip der abgestuften Chancengleichheit.
Das Prinzip der abgestuften Chancengleichheit besagt vereinfacht formuliert – über Kandidaten von Parteien, die bereits Sitze in Parlamenten errungen haben, sollte ausführlicher berichtet werden als über andere.
Natürlich fallen aber auch die üblichen journalistische Kriterien ins Gewicht.

2. Halten Sie es für notwendig, über alle Kandidaten in gleichem Umfang und
gleicher Art und Weise zu berichten?

Wir planen über alle Kandidaten zu berichten – aber nicht in gleichem Umfang. Wir müssen uns da – wie oben beschrieben – an die gesetzgeberischen Vorgaben halten, die sich aus dem Parteiengesetz §5 Abs. 1ff ergeben. Aufgrund der Begrenztheit der Sendeplätze wäre dies aber zugegebenermaßen auch nicht möglich.

3. Wenn nein, nach welchen Kriterien erfolgt Ihre Gewichtung?

Wie erwähnt: nach dem Prinzip der abgestuften Chancengleichheit, natürlich aber auch nach journalistischer Relevanz … Über Frau Festerling, die zwar kaum reale Chancen hat Bürgermeisterin zu werden, wurde ob des großen Interesses und der immensen öffentlichen Diskussion über Pegida natürlich berichtet beispielsweise.

4. Hat Ihre Redaktion einen Favoriten und werden Sie eine Wahlempfehlung für
Ihre Leser aussprechen?

Die Redaktion hat natürlich keinen Favoriten und wird unsere Zuschauer, Leser und Hörer neutral informieren.

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2 Comments
  • Jens
    Juni 2, 2015

    Im Gesetz steht Folgendes: „Wenn ein Träger öffentlicher Gewalt den Parteien Einrichtungen zur Verfügung stellt oder andere öffentliche Leistungen gewährt, sollen alle Parteien gleichbehandelt werden. Der Umfang der Gewährung kann nach der Bedeutung der Parteien bis zu dem für die Erreichung ihres Zweckes erforderlichen Mindestmaß abgestuft werden. Die Bedeutung der Parteien bemißt sich insbesondere auch nach den Ergebnissen vorausgegangener Wahlen zu Volksvertretungen. Für eine Partei, die im Bundestag in Fraktionsstärke vertreten ist, muß der Umfang der Gewährung mindestens halb so groß wie für jede andere Partei sein.“
    Für die Politikchefin des MDR „vereinfacht formuliert“ heißt das: möglichst über alle gleich berichten, für Parteien mit Fraktionen im Bundestag aber mindestens die Hälfte der Zeit aufwenden, wie für die anderen.
    Wie kann man aus diesem Gesetz herauslesen, dass man über die im Parlament vertretenen Parteien ausführlicher berichten muss? Pisa lässt grüßen: Textverständnis war wohl eines der größeren Probleme der deutschen Schüler.

  • Andreas Hoch
    Juni 4, 2015

    Jens: Es sieht wohl eher so aus, dass Ihnen grundlegendes Textverständnis fehlt. Sie würden beim Pisatest wohl durchfallen.