Kommentar: Wie viel Verantwortung hat ein OB-Kandidat für seine Facebook-Seite?

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Was macht so ein OB-Kandidat eigentlich im Wahlkampf… Den Bürger von sich überzeugen, im Kontakt mit den Bürgern treten, ihnen mitteilen, was man so alles vor hat als Oberbürgermeister, ach, und ganz neu: So ein bisschen hetzen und dabei etablierten ortsansässigen Firmen schaden.

Anders können wir den Beitrag vom 27.5.auf der Facebookseite von Tatjana Festerling leider nicht bewerten.

Da geht es darum, dass eine Rednerin bei einer Pegida-Veranstaltung darüber gesprochen hat, dass es in ihrer Kita (ein freier Träger) nur „Halal„, also Essen ohne Schweinefleisch, gibt. In der Folge ihres Redebeitrages bei Pegida wurde sie angeblich von der Kitaleitung zurechtgewiesen. Außerdem sei ihr mit Kündigung des Kita-Platzes gedroht worden. So zumindest ist es auf der Facebookseite von OB-Kandidatin Tatjana Festerling zu lesen – ob das so stimmt, können wir nicht bewerten.

Tatjana Festerling nutzt diesen Sachverhalt nun für folgende Dinge: Sie schreibt das „OB-Wahlversprechen“, dass für sie „gute, alte Bratwurst“ (!) und „Schweineschnitzel mit Leipziger Allerlei“ auf Kita- und Schulessen-Teller gehört… Lesen Sie selbst:

Screenshot vom Facebooeintrag von Tatjana Festerling

Kann man machen. Viel schlimmer aber: Der Kitaträger wie auch der Essenanbieter werden in dem Facebook-Eintrag verlinkt. Ach, ist doch gut, die Bürger über solche „schlimmen“ Firmen zu informieren! (Achtung, Ironie!)

Wie das bei Facebook so ist, kommt in der Folge eins zum anderen: Die Kommentatoren schwören sich darauf ein, dass mit dem angeblichen „Halal“ (wozu man auf der Website des Essenanbieters übrigens nichts findet) die Islamisierung eingesetzt habe und finden heraus, na, das passt ja: der Inhaber des Essenanbieter keinen typisch deutschen Namen trägt. Und schon sind wir mitten bei der Islamisierung des Abend-, ‚tschuldigung, des Kitalandes.

Die offensichtlich rassitisch motivierten, diffamierenden Kommentare und Beschimpfungen auf der Seite von Festerling häufen sich und, das finden wir besonders traurig, sie werden stehengelassen.

Screenshot Kommentar

Screenshot Kommentar

Screenshot Kommentar

Screenshot Kommentar

Hier wiederum stellt sich uns die Frage, welche Verantwortung für die Einwohner Dresdens so eine Oberbürgermeister-Kandidatin eigentlich hat? Oder gilt das nur für Einwohner der Stadt mit typisch deutschem Namen?

Eine Dresdner Firma, die seit vielen Jahren etabliert ist, wächst und zahlreichen Menschen (darunter auch zahlreiche mit deutscher Herkunft) eine Arbeit gibt, und die im Gegensatz zu einigen anderen Essenanbietern – bei denen der Firmenchef vielleicht Hans Wurst-Meier oder Sabine Sülze-Schäfer heißen – einen hervorragenden Ruf genießt (rein zufällig wissen wir hier sehr genau, wovon wir schreiben), wird mal eben so dem Facebook-Mob ausgesetzt? Ohne Intervention durch die Seitenbetreiber/in? Schämen Sie sich, Frau Festerling!

Und braucht das wirklich jemand: Eine Oberbürgermeisterin, die entscheidet, dass  in Dresdner Kitas mindestens einmal pro Woche Schweinefleisch auf den Teller kommt?!

Tatjana Festerling schreibt auf ihrer Website bei ihren Stärken: „ein offenes Ohr für ALLE Bürger und Einsatz für ein respektvolles Miteinander“. Wenn das so aussieht, na dann: Mahlzeit!

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7 Comments
  • Andreas
    Juni 2, 2015

    Die SZ oder DNN hatte dazu bereits vergangene Woche einen kurzen Artikel, in dem die Vorwürfe, der Einschüchterung der Mutter durch die Kita-Leitung von Kita-EB-Leiterin Bibas zurückgewiesen wurden.

  • Nick
    Juni 2, 2015

    Und wie sich Rechte/Konservative über den veggie-day der Grünen aufregt haben weiß ich heute noch sehr gut. Und nun Schweinefleischpflicht?

  • Tom
    Juni 3, 2015

    Halal-Fleisch stammt von geschächteten Tieren, die ohne Betäubung auf eine Art getötet werden, die hierzulande aus ethischen Gründen nicht erlaubt ist, jedoch geduldet wird.
    Ich halte es für falsch, in einem Land, das mehrere Kuturen unter einen Hut bringen soll, bereits in Kitas Kinder auf Speisen zu konditionieren, die einen ausgrenzenden Charakter hat. Okay, soll die Kita Halal-Speisen anbieten, doch warum nicht auch mal ein Schnitzel oder eine Bratwurst?
    Aus Berlin weiß ich, dass deutsche Kinder in Schulen von Mitschülern mit muslimischen Hintergrund abfällig ‚Schweinefleischfresser‘ genannt werden. Sowas kommt heraus, wenn man sie von klein auf, dahingehend konditioniert.
    Übrigens kann eine Oberbürgermeisterin den Kitas nicht vorschreiben, was auf den Tisch kommt, aber sie kann sich in der Öffentlichkeit dazu äußern.

    • Andreas Hoch
      Juni 4, 2015

      Tom: Es wird in den KITA gar kein Fleisch geschächteter Tiere angeboten. Diese Story ist frei erfunden. Es ist also unsinnig, darüber weiter zu fabulieren. Warum soll aber nun unbedingt Schweinefleisch angeboten werden, um künstlich Konfliktpotential zu schaffen? Es gibt schließlich genug Alternativen. Übrigens essen auch gläubige Juden kein Schweinefleisch, da dieses nicht koscher ist – und Pegida will doch wohl das christlich – jüdische Abendland verteidigen, oder doch nicht? Wohin zeigt denn gerade die Pegida – Wetterfahne?

  • Jens Reimann
    Juni 3, 2015

    Soso, Frau Festerling möchte also verhindern, dass Döner, Pizza und Cheeseburger beim Kita- und Schulessen angeboten werden, sondern möchte traditionelle deutsche Gerichte. Dann hat sie ja schon den richtigen Link für einen Anbieter gefunden und gepostet. Heutiges Gericht: Kartoffelsuppe mit Wiener Würstchen.

  • Andreas Hoch
    Juni 4, 2015

    Wenn man sich die fettleibige Mutter, welche sich über fehlendes Schweinefleisch beklagte, ansah, kann man froh sein, dass wenigstens der Versorger etwas gegen die Fehlernährung tut. Irgendeinen Grund, welcher für den Verzehr von Schweinefleisch spricht, konnte ja weder die fettleibige Mutter, noch diese Frau Finsterling, welche Leipziger Allerlei offensichtlich nicht einmal kennt, ja nicht benennen.

  • pilsn
    Juni 4, 2015

    UNABHÄNGIGES BLOG ZUM OB-WAHLKAMPF

    … klar